15 Tage Richtung NORD-OST durch die hessischen Wälder bis ins Weser-Bergland

Ein Erfahrungsbericht von Bernd Immel im September 2010

 

Mit einem Pferd von Löhnberg im Westerwald-Taunus zum Solling im südlichen Niedersachsen

 

Mein Wunsch war es schon immer einmal mit einem Pferd durch das Land zu ziehen. Dieses ist leichter gesagt wie getan. Habe ich ein Pferd hierfür? Bin ich fit dafür? Habe ich die Zeit um so etwas zu tun? Lässt es meiner Arbeitsstelle zu? Dabei blieb es dann für viele Jahre.

Akut wurde dieser Wunsch wieder durch den Besuch eines Wanderreiters es hier auf Big Sky. Dies war Leo Oevers aus dem Bergischen Land. Er machte bei uns halt und erzählte mir in vielen Gesprächen seine Erlebnisse von seinen Touren. Dieses Mal ritt er zum Bodensee. Ich muss wohl sehr viel darüber erzählt haben, denn meiner Frau Bernadette ist mein Fernweh aufgefallen. So weit so gut.

 Weihnachten 2009 bekomme ich ganz unerwartet ein tolles Geschenk von meiner Frau. Ein langer Brief mit der Aufforderung mich auf ein Pferd zu setzen und einfach mal weg zu reiten. Träume sind dafür da, diesen anzustreben und versuchen ihn umzusetzen. Der Hinweis auf unsere kranken Väter gab mir schon zu denken. Ich freute mich sehr darüber, war mir aber nicht klar, ob ich es machen würde oder nicht.

Die Vorbereitungen für diese Tour liefen sehr sehr schleppend beziehungsweise erst einmal gar nicht an. Die erste Frage die ich mir stellte, war wohin. Die zweite Frage die ich mir stellte war, mit wem. Die dritte Frage die ich mir stellte, mit welchem Pferd.

Wohin? Im Osten lag Wetzlar und Gießen, keine Lust. Im Süden lag Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet, keine Lust. Im Westen kommt der Westerwald den ich kenne und anschließend die Eifel, da reitet jeder hin, keine Lust. Der Norden war da schon interessanter. Ein Blick auf Google Earth zeigte mir ein paar wunderschöne Wälder  und Ecken. Nur müsste ich nach Nord Osten reiten. Ich sah den Burgwald, den Kellerwald und den Reinhardswald und das Weser-Bergland. Das reichte mir. Ich erinerte mich an die Worte von Jens Roeser, dass es im Weserbergland so schön sei. Mir fielen auch Fernsehberichte vom Kellerwald und vom Reinhardswald ein. Damit war die erste Frage geklärt.

Die zweite Frage war schwierig. Mit meiner Frau ginge es nicht, da wir drei kleine Kinder haben, also konnte sie nicht weg. In meinem engeren Freundeskreis reitet niemand. Jens hat kein Pferd dafür. Irgendwie fiel mir niemand ein, der so etwas machen wollte, oder konnte. Also reite ich allein.

Die dritte Frage hat auch etwas gedauert. Am liebsten hätte ich diese Tour mit meinem Kentucky gemacht, was aber nicht ginge, da er nun mal krank ist. Vom Schritt her, hätte ich auch die Schorschel (Georgia) nehmen können, doch sie ist eine Stute und ich traue ihr noch nicht ganz so viel zu wie meinen Wallachen. Da ich meinem Dakota sehr vertraue, da er sehr trittsicher ist, Gelände erfahren ist, da er einen wunderschönen Galopp hat und einen langsamen Jog, fiel die Wahl letztendlich auf ihn.

Zwei Wochen vor Abtritt fing ich dann mit intensiven Recherchen an. Ich wollte mir keine feste Route aussuchen. Aber grobe Ziele beziehungsweise Wanderreitstationen wollte ich schon. Mir war es wichtig das mein Pferd gut untergebracht ist. Ich selbst war nicht so wichtig, ich könnte überall schlafen und essen. So habe ich mir mit Hilfe von Basecamp (Programm der Firma Garmin Navigationsgeräte) und Internetrecherchen ein paar Stationen zusammengestellt.

Zwischen 15 und 20 km Luftlinie am Tag wollte ich reiten. Ein kurzer Anruf auf diesen Stationen, ob dies kurzfristig ginge, machte mir den Weg frei um nach Nordosten zu reiten. Da mein alter Regenponcho schon nach 25 Jahren defekt war, musste ich mir einen neuen kaufen. Ebenso zwei Regenbeinlinge zum überziehen und zwei neue Satteltaschen der Firma Ortlieb. Dieser Neukauf hat sich später als sehr sehr gut herausgestellt. Nun war alles so weit fertig, es konnte losgehen.

 

Abritt:

Mittwoch 01.September 2010 – 1.Tag

Mittwoch, 8:30 Uhr, für unsere Kinder ein bis dahin ganz normaler Tag. Bernadette will unsere Kids in den KiGa bzw. Schule fahren. Ich will mich von den Dreien verabschieden. Beli kapiert das noch nicht, die Jungs schon. Ich drücke und Küsse die Kinder ganz doll und hätte beinahe geweint.

10:00 Uhr fertig gepackt, Gregor und Bernadette sind da um mich zu verabschieden.

Ich hätte wieder weinen können. Dakota und ich starten bei perfektem Wetter. 15°C, bewölkt, trocken.

Unser erstes Ziel ist der Müllberghof in Oberlemp. Nach Niedershausen kommt der Weg zum Doberg, den ich wie immer nicht finde. Danach geht es zum Grübchen. Dort fängt es schon an, daß sich den Weg hoch in den Wald nicht finde! Direkt links neben dem Haus geht ein Weg hoch in den Wald, den ich ausprobiere und feststellen muss das er dann aufhört. Doch letztendlich finde ich eine Grillhütte und einen Weg der mich weiter auf meinen Weg führt. Ab dort kenne ich keinen Weg mehr. In Ehringshausen-Dillheim überquere ich den Fluss Dill und die Bundesstraße und reite in Richtung A 45. Direkt an der Autobahn Ausfahrt überquere ich die Straße und suche einen Weg entlang dieser stark befahrenen Straße. Beim Suchen eines Weges auf meinem Navi und der Karte, erschreckt sich Dakota vor einem Fahrradfahrer und springt zur Seite. Ich hänge halb im Sattel und springe ab. Mit viel Glück lande ich neben meinem Pferd und überlege was hätte alles passieren können. Ich finde eine Brücke über den Bach und folge diesem Feldweg unter der A45 durch. Der Rest vom Weg bis nach Oberlemp ist in Ordnung. Ab und zu folge ich meinem Navigationsgerät, welches alle Feldwege kennt und werde dadurch sehr überrascht. Kurz vor Oberland folge ich einem Feldweg der unter Hochspannungsleitungen durchführt, den es wohl mal gab, aber seit Jahren nicht mehr betreten worden ist. Ich erreiche mein erstes Ziel den Müllberghof. Auf diesen Isländer Hof arbeitete früher unser Gregor. Hier begrüßt mich ein Pole, der kein Wort deutsch reden kann. Er zeigt mir eine Box und füttert mein Pferd mit Gras. Ich sitze dumm herum und habe Zeit mir die ganze Reitanlage anzuschauen. Ich dachte immer Big Sky sei sehr sauber sehr organisiert und hätte viele Hinweisschilder, doch weit gefehlt! Hier gibt es nicht die kleinste Kleinigkeit die nicht beschriftet ist. Da mich hier niemand begrüßen konnte und mir auch niemand etwas angeboten hat, habe ich nichts besseres zu tun als zu schlafen. Nach einigen Stunden kommt der Chef und fährt mich ein paar Kilometer weiter in ein Gasthaus Decker nach Mittenaar. Hier habe ich etwas gegessen, geduscht, Fernsehen geschaut, die ersten Notizen des Tages gemacht. Heute bin ich vom Kreis Limburg Weilburg, durch den Kreis Lahn –Dill, in den Naturpark Lahn-Dill Bergland geritten. Das ist zwar erst der erste Tag, aber ich vermisse meine Familie und die Ranch! Ich stelle mir die Frage: hätte ich nicht doch jemanden mitnehmen sollen? Ich gehe früh zu Bett den Morgen früh um 7:50 Uhr holt mich eine Reitschülerin vor der Tür ab.

Donnerstag 02.09.2010  2. Tag:

7:45 Uhr der Wecker klingelt! Frühstücken packen raus vor die Tür. Kurz vor neun erscheint eine Frau die mich mitnimmt auf den Müllberghof. 9:30 Uhr fertig gesattelt und gepackt warte ich darauf das ich bezahlen kann. Ich bezahle, frage noch nach einem schönen Weg, den mir aber leider keine nennen kann und so geht es dann ab in Richtung Gladenbach-Römershausen. Prinzipiell reite ich die ganze Tour Richtung Nordost. Die grobe Orientierung und Richtung sehe ich auf meiner Karte mit dem Maßstab 1:50.000, das Feintuning der Wege die ich reite, entscheide ich nach Gefühl, aus dem Bauch heraus mit Hilfe meines Navis.

(der Aartalsee bei Bischhoffen)

Wenn ich einen schönen Weg sehe, der in meine Richtung führt, so reite ich diesen. Dadurch finde ich manchmal die geilsten Galoppstrecken, die einsamsten Waldwege, auf denen seit Jahren kein Mensch mehr war! Unschöne Strecken durch Wälder, die geschottert waren, gab es natürlich genügend. Eine dieser Wege bei Weidenhausen endete an der Bundesstraße 255. So musste ich einen halben Kilometer entlang dieser stark befahrenen Bundesstraße reiten. Nach viereinhalb Stunden erreiche ich Römershausen und den Hollerhof. Da ich jeden Abend vorher meine nächste Station anrufe, wusste ich das heute Nachmittag niemand zuhause war. Marion Klein, so heißt hier die Hausherrin, erklärte mir alles am Telefon, wie und wo alles ist. Hier erlebe ich Gastfreundlichkeit: Marion oder Alexandra haben für meinen Dakota einen Weg aus Äpfel in seine Box gelegt! Das ist mal eine Begrüßung.

(na das ist doch mal ein Hinweis)

Die Box war frisch eingestreut, Heu und Wasser waren auch drin – super. Ich schaue mich etwas um und habe wie fast jeden Tag das gleiche Problem: Langeweile! Mein MP3-Player ist leider leer, ich weiß nicht wo ich schlafen kann bzw. soll und muss von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr warten. Doch dann kommen zwei Frauen, die ihr Pferd dort stehen haben. Diese beiden kennen unseren Hufschmied Volker Schmidt und seine Familie und eine von beiden war vor Jahren schon mal auf der Big Sky Ranch. 17:20 Uhr Marion Klein kommt, die sehr nett ist und begrüßt mich. Endlich bekomme ich einen Kaffee und Dakota eine kleine Wiese mitten im Ort, auf der er auch nachts bleibt. Ich beziehe bei einer Nachbarin in einem Nebengebäude so etwas wie eine Not-Wohnung im ersten Stock über der Garage. Ich lese etwas von einer neuen Saunalandschaft hier in der Nähe und lasse mich nach Gladenbach fahren. Ich genieße mit 10 weiteren Gästen das Nautilus, esse dort eine Pizza und lasse mich um 22:30 Uhr von einem Taxi nachhause fahren. Ende eines schönen zweiten Tages.

 Freitag 03.09.2010 3. Tag

 7:45 Uhr das Handy weckt mich. Ich lerne Alexandra Both vom Rollerhof kennen und wir drei frühstücken zusammen. Die zwei Mädels sind sehr nett, müssen aber beide weg. Ich putze, sattle und packe meinen kleinen Bruder Dakota. Das bepacken und verschnallen bekommt so langsam System. Bewaffnet mit einer 25oooer Wanderkarte und diversen Tipps, starte ich in Richtung Friedensberg im Dauthpfetal.

Ich reite nach der Wanderkarte und nicht mehr nach Gefühl und Navi. So eine Scheiße, ich bin mich nur am vereiten, weiß nicht mehr auf den Punkt genau wo ich bin! Mache diesen Fehler mit der Karte fünfmal!! Der kleine Ort Belnhausen ist wunderschön, doch ab hier gibt es nur noch Wald und Schotter. Meine kleinste Tour am dritten Tag, sollte zum erholen sein. Diese 8,6 km Luftlinie sollen zu einem Albtraum von vier Stunden werden. (Statt zweieinhalb Stunden) Weg mit dieser Karte und her mit dem Navi. Ich reite wieder nach Gefühl und alles geht gut. Ich erreiche Friedensdorf und die Norweger Zucht, Reittherapie und Reitschule: „Pferde stärken Menschen“ der Familie Heck. Die eine Chefin ist mit mir überfordert, da sie einen Reitkurs hat. (Sie reitet mit sechs Kindern ins Gelände!?) Ein Mädchen, eine Einstellerin hilft mir und so kann ich Dakota auf eine „Wiese“ stellen.

(ein Stück Land für coole Pferde)

Nach zwei Stunden kommt die zweite Chefin und ich gehe bepackt mit ihr und ihrem Kinderwagen durch das Dorf in mein Zimmer der Familie Bernhard. Hier schlafe ich im Zimmer eines ihrer Jungs, der zur Zeit nicht zuhause ist. Die Familie ist sehr nett, es wird gebetet, gegessen und noch lange zusammen geredet. Gute Nacht dritter Tag.

 Samstag 04.09.2010  4.Tag

7:45 Uhr das Handy klingelt schon wieder. Frühstück mit der kompletten Familie inklusive beten: aus dem Lukas Evangelium „sehet die Lilien“ und lieber Gott beschütze unserem Gast Bernd der mit seinem Pferd Dakota unterwegs ist. Durch den Tipp der einen Tochter, reite ich der Lahn entlang und dann das Tal hoch Richtung am Amönau, ein toller Ort. Von dort nach Simtshausen zu „Pferde Trekking Burgwald“ der Familie Muth. Hier ist mal ein Mensch auf der Reitanlage. Ich gehe wie fast jeden Tag mit Dakota grasen und dann bekommt er seine Box. Ich fahre mit der Chefin circa 2 km durch den Ort, in die Unterkunft der Mutter, die mir ihr Leben und alle Krankheiten erzählt.

(es gibt Dinge, die muss man fotografieren)

Ich bin wieder der einzige im gesamten Ferienhaus und muss mir ein Pizzataxi kommen lassen. Ich telefoniere mit meiner Frau Bernadette über das neueste von Big Sky und den Kids. Duschen, schreiben, warten, Fernsehen schauen und dann ins Bett gehen.

 Sonntag 05.09.2010 5. Tag

7:45 Uhr, ich werde von selbst wach! Das Frühstücks Buffet steht schon auf dem Tisch. Frühstücken und der Opa Muth Pferd mich nach oben zum Stall. Putzen, satteln, 9:15 Uhr on the road again! Von Mittelsimtshausen, über den Christenberg durch den Burgwald nach Bottendorf. Hoch zum Christenberg schaffe ich in circa 50 Minuten.

(wunderschöne Wege hoch zum Christenberg)

(der Blick vom Christenberg im Burgwald)

Dann spaziere ich mit einem Opa Richtung Rhoda. Nur Schotter! Ich laufe mehr wie ich reite. Ab Rhoda reite ich wieder und mache meine zehnminütige Pause. Wie immer, Kopfstück ab, Strick dran, Dakota frisst Gras und ich eine Tafelschokolade. (Vom Norma Markt in Löhnberg) Dann mitten im Burgwald (angeblich Deutschlands größter zusammenhängender Wald) sehe ich eine Hütte mit einem Planwagen und Leuten. Ich winke und denke an einer Cola oder so. Ein Mann mit Hut winkt mir zu und kommt auf mich zu. Ich bleibe stehen, reite zu diesem Mann, der zu mir sagt: "Sind Sie aus Löhnberg und wollen zu uns ins Heuhotel?" Ich falle fast vorm Pferd! Es ist der Herr Nolte von Bottendorf, meiner nächsten Reitstation. Das ganze mitten im Burgwald- unglaublich! Ich bekomme mitten im Wald einen wunderbaren Kaffee, man erklärte mir den Weg und um 13:30 Uhr bin ich Bottendorf. Bis jetzt war alles super.

Doch dann: Dakota wurde sofort nach Ankunft im Hof nervös! Als er dann in die Box kam war er innerhalb einer Minute klatschnass! Ein altes Bauernhaus mit Innenhof und Stallungen, Scheune ausgebaut zum Heuhotel (auch mit normalen Stockbetten)

Die zwei Boxen circa 2 x 2,50 m, dunkel, die Mittelabtrennung vielleicht einen Meter hoch aus Holzstangen und dahinter Ziegen, die man nicht sehen konnte. Als ich Dakota Vorderhufe über der Mitte der Tür sah, war mir klar, der bleibt hier nicht drin! Also, raus mit ihm, aber wohin?

Ich verbringe fast vier Stunden mit ihm an der Hand, im Hof, im Ort, an Wiesen, mein Tag ist dahin! Ich telefoniere mit Bernadette, die auch einen Scheißtag hat. Sie erzählt mir von unserer neuen Einstellen Tanja, die heute vom Pferd gefallen ist, was nicht hätte sein müssen! Sie macht sich Vorwürfe deswegen. Ich warte und warte, genau meine Stärke! Das, was ich am wenigsten kann, muss ich auf dieser Tour am meisten tun: unbefristet warten! Nach circa vier Stunden kommt Herr Nolte mit seinem Planwagen zurück. Mein Pferd ist immer noch nervös. Irgend etwas scheint ihn hier überhaupt nicht zugefallen. Ich mache mir Vorwürfe. Diese Tour darf nicht auf Kosten meines einzigen Wegbegleiters und Freundes Dakota gehen. Raus gerissen aus seiner Herde, neue Gegend, neue Wege, jeden Tag eine andere Unterkunft, jeden Tag anderes Heu, jeden Tag anderer Nachbarn – was tue ich meinem Pferd an!?

An diesem Tag mache ich mir sehr viele Gedanken über meine Tour. Ich telefonierte mit meiner Frau. Meine Entscheidung steht fest, hier bleibe ich nicht, ich reise ab. Der Mann vom Heuhotel besorgt mir einen Fahrer mit Pferdehänger, der mich zur nächsten Station nach Oberorke fährt. Meinen Fahrer darf ich nicht bezahlen, da Pferdeleute sich immer untereinander helfen! Dass ich so etwas noch erleben darf. Vielen Dank!

Wie abgesprochen, finde ich eine Box, die frisch eingestreut ist mit Stroh und den Namen Immel trägt. Dakota steht nun wieder alleine in einer Box, in einem Stall in den 60 oder 70 Pferde passen. In diesem Stall stehen lediglich zwei Esel und zwei Shettys gemeinsam in einer Box. Dakota ist ruhig und frisst. Jetzt bin ich in einem Sport und Wellness Hotel, welches mir Sonja Sames empfohlen hat. Hier will ich für zwei Tage Pause machen. Zimmer beziehen durchatmen, miteinander telefonieren, essen gehen Dakota nochmals kontrollieren, Fernsehen und dann endlich ins verdiente Bett. Ich liege im Bett und wundere mich, dass mein Hintern immer noch nicht wehtut. Dakota schwächelt  auf Schotter und berg runter etwas- sonst ist alles OK!

 Montag 06.09.2010 6. Tag:

Traumhaftes Wetter, alles blau, Frühstück super, Dakota geht es gut. Durch meinen Freund Gerd Köberich ist die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA) auf mich aufmerksam geworden. Dies führt dazu, dass ich heute Morgen ein Interview geben muss. Dieser Bericht soll in den nächsten Tagen hier in der Presse erscheinen.

Jetzt ist Wellness angesagt. Mein Pferd darf auf eine Wiese und ich lasse es mir jetzt auch mal gut gehen. Sauna, Massagen, Musik hören, abschalten (wenn es dann mal ginge) ich bekomme Anrufe von Jens, Sonja, Tanja, Herrn Seela... ob ein Handy immer so gut ist? Ohne ginge meine Tour auch, aber es erleichtert die Sache immens!

 Dienstag 07.09.2010 7. Tag:

Nach dem frühstücken bringe ich Dakota auf seine Wiese...

... und gehe dann in den Saunabereich. Hier muss ich diverse Massagen über mich ergehen lassen – ganz schön anstrengend, so nichts tun! In diesen Tagen höre ich soviel wie möglich meiner guten alten Musik, die ich auf meinem MP3-Player zusammengestellt habe. Dieser Player ist der einzige Luxus den ich mitgenommen habe. Da ich so alleine bin, macht man sich so seine Gedanken. Mein permanent schlechtes Gewissen nicht zuhause zu sein, meine Frau alleine mit drei kleinen Kindern, einer Ranch mit viel Arbeit und und und

Doch heute ist ein guter Tag, denn meine Familie kommt mich heute besuchen. Bernadette kommt mit Bastian, Ben und Belice gegen Nachmittag zu mir. Wir essen gemeinsam und besuchen das Schwimmbad zur Freude meiner Kinder. Die letzten sechs Tage waren eher sehr ruhig, was sich aber schlagartig änderte, als meine drei Kinder erschienen. Ungewohnt aber schön! Von Bernadette erfuhr ich dann das neueste: alle paar Jahre gibt es mal die „Equine Infektiöse Annemie“ in Deutschland. Genau auf meiner Strecke liegt das Quarantäne Gebiet rund um die Orte Ahnatal und Weimar. Genau dort müsste ich durch. Dies darf ich aber nicht. Diese Krankheit scheint sich auszubreiten und wenn man sie mal hat, muss das Pferd getötet werden! So eine Scheiße, genau jetzt wenn ich mal einen großen Ritt machen will, liegt genau auf meiner Strecke diese Krankheit. Ich vergleiche dies mit einem Fünfer im Lotto. Was soll ich tun? Ich will auf keinem Falle mit meinem Pferd Dakota ein Risiko eingehen. Ich überlege die Tour zu beenden. Da es morgen den ganzen Tag regnen soll, beschließe ich einen Tag zu verlängern und im Hotel zu bleiben. Für Dakota ist es auch eine Art Wellness. Meiner Familie verlässt mich und ich stehe nun da und weiß nicht wie es morgen weitergehen wird.

 Mittwoch 08.09.2010 8. Tag:

 Nach dem Frühstück ruft mich Bernadette an und gibt Entwarnung. Sie hat mit dem zuständigen Veterinäramt gesprochen und diese haben mir grünes Licht gegeben. Ich kann weiter reiten. Innerlich hatte ich die Tour schon abgebrochen, doch ich bin froh, dass es weitergehen kann. Gut dass ich verlängert habe, denn heute regnet es den ganzen Tag aus Eimern. Ich genieße das Hotel, telefoniere mit den nächsten Stationen, ob diese mich auch nehmen und und verbringe wie immer etwas Zeit mit der Recherche nach dem Weg am nächsten Tag.

 Donnerstag 09.09.2007 9. Tag:

 9:20 Uhr ich sitze wieder auf einem Pferd-Gott sei Dank. So schön wie es auch war, ich bin froh, wieder unterwegs zu sein. Ich freue mich auf den Kellerwald (ein bisschen Respekt habe ich auch, denn wenn irgend etwas geschieht und das mitten im Kellerwald?!) In Schmidtlotheim reite ich über die Eder in den Nationalpark Kellerwald. Traumhafte weiche und nasse Wege, kein Regen, aber nebelig. Es sieht mystisch aus. Alle Gatter heute waren auf. Da der Naturpark Kellerwald forst technisch nicht genutzt beziehungsweise bewirtschaftet wird, musste ich ein paar Mal absteigen wegen Bäumen oder sonstigen Hindernissen.

Nach dreieinhalb Stunden Ritt ohne mich zu verreiten, sah ich das erste Mal einen Menschen. Ich hatte schon Bedenken, da ein Weg gesperrt war (warum auch immer) und ich diesen trotzdem geritten bin. Habe leider kein einziges Tier außer ein paar Schafen gesehen.

Der Weg (Fahrradweg) am Edersee entlang war sehr langweilig. Das war auch egal, da es aus Eimern regnete. Die letzten circa 8 km bin ich im strömenden Regen geritten, aber selbst trocken geblieben. Der neue Poncho und die Beinlinge, inklusive Satteltaschen haben sich rentiert zu kaufen. Die 15 km Luftlinie habe ich in 5 ¼ Stunden geritten. Davon bin ich circa 5 bis 8 km selbst gelaufen. Aus der Ferne habe ich schon die „Reitanlage  Kellerwald“ erspäht. HOLY MOLY!!! Zwei Wiesen, ein Reitplatz, ein Offenstall mit Schrank- das war’s. Denise, ein junges Mädel gibt Unterricht. Es regnet, ich beziehe den Offenstall, binde Dakota an um Ihnen abzusatteln. Der Blödmann ist wieder nervös! Letztendlich ist alles soweit gut. Dakota und seine sechs Isländer stehen nebeneinander und er beruhigt sich. Circa 50 m über der Reitanlage ist der Wildpark Edersee, den ich besuche und einer Falkner Vorführung erleben darf. Anschließend gehe ich ins benachbarte Ausflugslokal und genieße einen schönen schwarzen guten Kaffee und ein Stück Kuchen. Ich laufe bepackt mit allem was sonst Dakota trägt, ohne Sattel natürlich, circa 1,5 km in den Ort Hemfurth am Edersee. Dort suche ich mir eine Pension und ein Gasthaus zum Essen. Hier frage ich wie immer nach dem Weg für morgen, studiere die Karten und schreibe von heute alles auf. Heute war ein schöner Tag trotz Regen. Der Kellerwald ist wunderschön.

 Freitag 10.09.2010 9. Tag:

 08.50 h, ich stehe gefrühstückt vor der Pension und warte auf die Denise, die mich mit ihrer fahrenden Sattelkammer abholt. Getrunken und gefressen hat Dakota wohl nicht viel! 9:15 Uhr on the road again.

Leider kann ich nicht wie geplant über die Sperrmauer des Edersees reiten, da auf der anderen Seite Bäume auf dem Wanderweg liegen. So etwas erfährt man einen Tag vorher wenn man dann viel fragt. Ich reite den Ederseesteig von Hemfurth über Buhlen und Böhne Richtung Elbenberg.

Mein Gefühl und mein Navi helfen mir heute sehr. Zwischen dem Ort Böhne und Elbenberg scheint es keine Wege zu geben und dass in diesem Riesen Wald. (genannt der alte Wald, wie es sich später herausstellt). Heute geht es sehr viel berghoch und bergab. Durch Rückwege und mitten durch den Hochwald, entlang einem Grenzweg. Mit viel Bauchgefühl finde ich einen Weg aus diesem Wald. Nachmittags erreiche ich das Schloss Elberberg und werde mal sehr herzlich begrüßt. Hier erklärt man mir, dass ich heute in diesem alten Wald, die Grenze zwischen Waldweg Frankenberg und Kurhessen überschritten beziehungsweise über ritten habe. Diese Grenze ist geschichtlich sehr bedeutsam, daher die wenigen oder fehlenden Wege. Frau Alix von Buttlar ist hier die Chefin vom Hofgut des gleichnamigen Schlosses Elberberg. Mein Pferd Dakota fühlt sich wohl, bekommt einer Box und einen Partner. Ich beziehe ein Fremdenzimmer im Haus. Anschließendes Kaffeetrinken, Abendessen in geselliger Runde von vier Leuten tut mal richtig gut. Hier erlebe ich zum ersten Mal richtig gute Gastfreundschaft.

 Samstag 11.09.2010 10. Tag:

Frühstück gut, Dakota geht es gut und ein neuer Reitertag beginnt. Von Elbenberg  im Landkreis Kassel geht es heute über Balhorn und Martinshagen unter der A 44 durch nach Ehlen im Habichtswald. Durch den Wald auf steinigen oder matschigen Wegen geht es dann auf schönen Wiesenwegen mit viel Trab und Galopp schnell vorwärts. Nach drei dreiviertel Stunden bin ich schon in Ehlen und wie soll es auch anders sein: wieder kein Mensch da! Ich sattle ab, hänge meine Sachen auf den Zaun, rufe die Frau Gunkel vom Isländergestüt Habichtswald an, ebenso meine Frau, Gerd und Celine. Doch dann, mein Pferd darf auf die große Ovalbahn mit viel Gras. Ich schleppe einen Bottich und viel Wasser, ebenso Kraftfutter auf den Reitplatz. Dakota sieht andere Pferde, kann fressen, saufen und ist glücklich. Ich hingegen muss wieder warten, da mein Herbergsvater erst circa 17:00 Uhr hier sein kann und meine Herbergsmutter keinen Führerschein hat. Mein Freund Gerd Koeberich kommt und fährt mit mir nach Altenritte (Baunatal). Wir, das heißt Gerd, Celine und Stephen gehen zusammen ein Eis essen, reden, lassen uns eine Pizza kommen, schauen nach meinen noch zu reitenden Wegen und gehen schließlich um 23:00 Uhr ins Bett. Wie auf der gesamten Tour schlafe ich auch hier nicht wirklich gut! Warum auch immer, ich werde ab 4:00 Uhr morgens immer wieder wach.

 Sonntag 12.09.2010 11. Tag:

Aufstehen um 8:00 Uhr, gemeinsames frühstücken und danach fahren wir alle vier nach Ehlen. Dakota steht noch auf dem Reitplatz, obwohl diese keinen Strom hat. Putzen mit Stephen, Küsschen hier, Küsschen da und ab die Post! Da ich ja jeden Tag vorher meine nächste Reitstation anrufe, wusste ich, dass die Reitstation in Grebenstein-Udenhausen nicht besetzt ist. Wohin nun? Hier bleiben wollte ich auf keinen Fall. Nun bin ich direkt im Gebiet der Pferdeseuche. Nach ein paar Anrufen hatte ich einen Stall in Fürstenwald bei Kassel-Calden gefunden. Dieser Reitstall Pawel ist ein Springstall aber ohne Übernachtungsmöglichkeit für mich. Zur Not schlafe ich auch irgendwie mit irgend etwas im Heu. Wie umreite ich dieses Gebiet mit dieser Krankheit? Dieser Ritt heute wird nicht sehr lange sein. Ich muss den Ort Weimar umreiten und komme dadurch circa 3,5 km am Herkules Denkmal vorbei. Circa 2 km bei dem Ort Zierenberg komme ich am Dörnberg vorbei. Dieser Berg wird von vielen Touristen besucht. Auf meinem Weg durch den Wald stoße ich auf ein Schild auf dem steht: „Immelberg“. Der Berg ist eine kleine Erhebung neben dem Dörnberg. Wie witzig!

Nach zweieinhalb Stunden komme ich am Reitstall in Fürstenwald an. 100 Pferde stehen hier. Hier ist endlich mal was los. Menschen sind bei meiner Ankunft auf dem Hof- wir freuen uns beide. Leider gibt es hier kein Bett und die Pension im Ort erreiche ich nicht. Doch dann etwas später ruft die Pension mich zurück und ich mache mich auf den Weg. Bepackt wie ein Pferd ziehe ich los- in meine Box. Die Pension ist sehr gut, duschen, schreiben, zu müde zum Essen, ich gehe sehr früh ins Bett. Vorher klärte ich noch die Situation für morgen. Ich rufe die Wander-Reitstation in Udenhausen an. Die Frau am Telefon sagte “Bernd bist du das? Von der Big Sky Ranch in Löhnberg?" Häh? Diese Stationen gehört Heike und Ottmar Dippel. Heike hat vor Jahren bei mir mal Urlaub gemacht und ihr Mann hat sie abgeholt und dabei unsere Pferde gewogen. Die beiden sind viel unterwegs um mit ihrer Pferdewaage auf Reitanlagen Pferde zu wiegen. Wie klein ist die Welt!

 Montag 13.09.2010 12. Tag:

Aufstehen, frühstücken, packen und auf zum Pferd. Danke an die Familie Pavel, denn auch hier durfte ich nichts bezahlen.

 Von Fürstenwald durch den Wald an Kasseler Calden vorbei Richtung Tierpark? Auf einmal reite ich eine alte Allee herunter (andersherum wäre es eine tolle Galoppstrecke gewesen) und stehe vor einem Schloss. Schloss Wilhelmstal! Schön- leer- unbewohnt- Schade. Südlich an Calden vorbei, nach Burguffeln Richtung Grebenstein-Udenhausen. Das alles auf Feld und Wiesen wegen. Viel Trab und Galopp. Dann komme ich in Udenhausen an. Ich klingele und Heike macht mir auf, begrüßt mich und ich kann Dakota versorgen. Danach gibt es ein paar Kaffee und wir reden, das heißt Heike ihr Mann Ottmar und ich. Ein schöner Nachmittag. Heike und ich fahre noch einkaufen, schauen uns ihre Pferde an, bestellen Pizza und sitzen noch bis fast 12:00 Uhr nachts zusammen. Ein schöner Ritt, ein schöner Tag.

 Dienstag 14.09.2010 13. Tag:

Auf diesen Tag freue ich mich schon während der ganzen Tour. Der Ritt durch den Reinhardswald! Heike, selbst Western- und Wanderreiterin erklärt mir ein paar schöne Strecken zur Sababurg dem Dornröschenschloss. Ich reite heute fünfeinhalb Stunden am Stück, davon nur eineinhalb Stunden ohne Regen! Trotzdem, die Waldwege durch den Hutewald, diese riesen Waldflächen, die alten Baumbestände- irre schön! Zwei Hirsche so groß wie Endmaß Ponys kreuzen meinen Weg! Ich denke das waren 12- bis 14 Ender. Insgesamt muss ich viermal ein Gatter auf beziehungsweise zu machen.

(einige Gatter konnte ich vom Pferd aus öffnen und schließen, dieses nicht!)

Nach circa drei Stunden erreiche ich die Rückseite des Tierparks hinter der Sababurg. Hier gibt es eine Mauer um die man sehr abenteuerlich entlang reiten kann. Ich liege circa 1 km lange mehr auf dem Hals meines Pferdes anstatt ich sitze. Die Äste hängen sehr tief da sie nass sind, es regnet und der Weg verwandelt sich in ein kleines Rinnsaal. Alle Wege, ausgenommen der geschotterten Wege, sind abgesoffen oder voller Schlamm.

(die Sababurg von hinten!)

Egal, der Weg, der Ritt bis hierher war super. An der Sababurg muss ich das letzte Gatter durchreiten. Dieses letzte Gatter musste ich von Hand öffnen, also mit absteigen und so. Ich passe nicht auf, Dakota passt nicht auf und bleibt mit den abstehenden Satteltaschen in Gatter hängen! Er erstreckt sich, die Satteltaschen reisen auf einer Seite ab, er springt zur Seite und bleibt auf der anderen Seite mit dem Steigbügel in einem Metalldraht hängen. Ich schreie ihn an und er steht wie eine Figur! Ich lege die Zügel auf die Erde, befreie mit Gewalt den Steigbügel aus dem Draht, atme durch und bin froh, dass nicht mehr geschehen ist. Nach dem kleinen Schock reite ich zur Sababurg. Durch das Tor sieht man nur einen Parkplatz, einen Kiosk, zwei Türme, einer davon eingerüstet- na ja etwas enttäuscht war ich schon. Kamera raus, Foto machen und ab nach Gottstreu. Der Rest der Strecke besteht nur aus Schotterwegen und die gehen auch noch die meiste Zeit heftig bergab Richtung Weser.

Nach circa zwei Stunden (davon bin ich eineinhalb Stunden selbst gelaufen) erreiche ich Gottstreu und die Reitanlage Siemon. Dakota kommt in den recht dunklen Stall in eine Box und darf mit einer Ziege die ganze Nacht an einem Heuballen fressen. Dies Siemons selbst sind aber sehr nett, zeigen mir alles. Mein Zimmer in dem ich übernachte ist aus circa 1950 oder so. Abends laden mich die Siemons noch zu einer gemütlichen Runde ein. Es wird viel Unsinn erzählt und getrunken...

 Mittwoch 15.09.2010 14. Tag:

 Heute geht es von Gottstreu der Weser entlang nach Uslar-Wiensen. Am äußersten westlichen Rand des Reinhardwaldes entlang bis nach Gieselwerder. Dort überquere ich die Weser in Richtung Lippoldsberg.

Heute reite ich fast nur auf selbst gesuchten weichen Wald- und Wiesenwegen. Zwischen Vernawaldshausen und Wiensen überschreite ich die Grenze zwischen Hessen und Niedersachsen. Ein Riesen Loch auf einem seit Jahren nicht mehr befahrenen Wiesenweg wird von Dakota erkannt! Gut das ich hier nicht galoppiert bin. Dieses Loch war fast genau auf der Grenze-komisch oder? Nach circa drei Stunden Reitzeit, Weser Überquerung, zwei Bahnenunterführungen, erreiche ich Wiensen. Mitten im Ort liegt der ehemalige Bauernhof jetzt Reitverein Uslar-Wiensen. Der Vorstandsmensch Herr Jürgen Meyer wollte mir ein X. auf die Box malen. Im Hof angekommen sehe ich schon dass X auf einer Box.

Wasser läuft, Heu und Stroh sind auch drin- perfekt. Absatteln und erst einmal mit Dakota zum frischen Gras gehen. Dann mache ich mal eine Pause in der Sonne. Die alten Leute vom Hof sind sehr nett und erzählen mir vom Solling. Der Solling-Volgler ist ein Riesen großes Waldgebiet in südlichsten Niedersachsen. Ich habe keinen Bock 30 Kilometer lang berghoch und bergab nur auf Asphalt oder Schotter zu reiten. Wer kann mich fahren? Kann die nächste Station in Dassel-Amelsen mich holen? Der nächste Stall muss in die Klinik (mit einem Pferd) und der Herr Meyer und eine andere Einstellerin haben ihren Pferdehänger in der Werkstatt. Wolf und Sille in Ölkassen melden sich nicht an beiden Telefonen. Ich rufe den Häuptling Jens Röser an, der mir sagt, dass Sille in Pullman City ist und Wolf nicht zuhause ist, da er auswärts arbeitet und auch nicht da ist! Was nun? Ich rufe Bernadette an, schilderte ihr meine Situation.

Soll ich dich holen? Meine Antwort: Ja!

Jetzt ist es circa 16:00 Uhr. Bernadette braucht bestimmt 2 ½ Stunden mit Hänger. Heute ist es wunderschön, der Ritt bisher war auch wunderschön, die Gegend war wunderschön, also höre ich unverhofft heute mit meiner Tour auf! Man soll dann aufhören wenn es am schönsten ist! Das tue ich auch.

Ich werde diese 15 Tage nie vergessen, das war eine tolle Erfahrung!

 Mein Resümee:

 Die Route, die Richtung, die ich ausgesucht habe, war perfekt. So mancher Weg ohne Schotter wäre schon besser gewesen. Ich habe gelernt mich nie auf die Aussagen von Reitern zu verlassen welcher Weg schön sei und welcher nicht. Die meisten Reiter kennen sich in ihrer eigenen Umgebung nicht aus. Daher werde ich in Zukunft immer selbst entscheiden wo ich lange reite und wo nicht.

 Die Stationen waren mal schlecht, mal gut, mal super. Es liegt nicht am Geld, oder an der Ausstattung, sondern an der Art mit Menschen umzugehen. Das Zimmer kann noch so alt sein, der Hof kann noch so klein sein, man muss freundlich sein, es sollte sauber sein und man muss sich in einen Fremden, der hier Gast ist, hinein versetzen können. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft sollte man schon besitzen, wenn man Gäste aufnimmt, oder man sich Wanderreitstation nennt. Das was ich reittechnisch gesehen habe, war in fast allen Fällen eine Katastrophe. Der Reitschüler muss Spass haben, der Reitschüler muss nur wieder kommen oder bleiben, damit das Geld fließt, das Reiten selbst, das Pferd, bleibt in den meißten Fällen auf der Strecke – wie Schade!

 Meiner Ausrüstung war gut. Dakota hatte nicht eine Scheuerstelle, ich habe mir keinen Wolf geritten und bin nie nass geworden. Alles Notfall Equipment habe weder ich noch Dakota in Anspruch genommen. Die Eisen haben perfekt gehalten. Vielen Dank an meinen Hufschmied Jörg Ohl.

 Das Wetter war bis auf zwei Tage super perfekt für diese Tour. Es war nie zu warm und auch nie zu kalt. Es konnte schon passieren, dass man sich öfters mal an- oder ausziehen musste, je nach dem ob man im Wald ritt oder auf Feldwegen.

 Der Zeitpunkt um einen Wanderritt zu machen, hätte ich besser, wie den September, nicht treffen können. Alle Äcker bis auf den Mais sind abgeerntet, die Wiesen gemäht, so dass man immer darüber reiten konnte.

 Die Orientierung mit dem Navigerät Garmin eTrex Legend Cx mit der neuen topografischen Karte von 2010 in Verbindung mit der Karte 1:50.000 ist nicht zu überbieten. Ausprobieren von völlig fremden Wegen ist mit einem guten Navi kein Problem und führt manchmal zu den schönsten Wegen und Ecken.

 Mein Reisebegleiter Dakota ist der eigentliche Held der Tour! Ich bin zwar viel gelaufen aber er hatte immer das Gepäck zu tragen. Nach einer Woche wurde er auf Schotter immer langsamer. Zwischendurch ein Jog oder ein Galopp war für uns beide doch sehr aufmunternd. Einmal hat er gescheut- nun ja, ist aber noch mal gut gegangen. Wir mussten durch Schlamm, über Gräben, durch Bäche, über Brücken, unter Unterführungen durch, durch Städte oder Ortschaften, an Straßen auch Bundesstraßen entlang, durch Wälder, durch Dickicht und was sonst noch! Es war nie ein Problem. Er hat nie gelahmt. Ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Vielen Dank- mein Dakota!

 Der Wanderreiter Bernd ist mit sich auch zufrieden. Habe mir keine wunden Stellen zugezogen, hatte keine Probleme mit Knien, Füßen oder so, obwohl ich viel gelaufen bin. Bin froh darüber, noch so fit zu sein. Ich habe die letzten 15 Tage etwas gemacht wovon ich schon seit 15 Jahren träumte. Alleine und nur mit seinem eigenen Pferd durch die Natur reiten zu dürfen ist schon ein besonderes Geschenk. Man kann sich seinen eigenen Weg aussuchen ohne Rechenschaft dafür ablegen zu müssen. Man kann sein eigenes Reittempo wählen ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Man kann schwierige Passagen durchreiten ohne diskutieren zu müssen. Dürfte ich dies noch mal machen, so würde ich mir einen zweiten Menschen an meiner Seite wünschen. Jemanden, dem man sich mitteilen kann, dem ich vertraue, der reiten kann und eine ähnliche Einstellung hat wie ich: zum Beispiel meine Frau Bernadette.

 Diese hessische Wälder-Tour konnte ich nur reiten, da ich für so was ein gutes Pferd hatte, einen sehr guten Mitarbeiter der mir auf der Ranch den Rücken freihält und vor allem eine Frau die mir das Ganze ermöglicht hat. Für die 15 Tage Kinder hüten rund um die Uhr, für den Verzicht auf die Arbeit in eigener Praxis und den Verzicht auf eigenen Urlaub sage ich zu meiner Frau Bernadette:

 Vielen Dank für die unvergesslichen 15 Tage!

 Wiensen im Weserbergland am 15.09.2010

  Bernd Immel

 


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Stand:19. Juni 2011 / Köberich & Immel
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