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Mit einem Pferd von Löhnberg im
Westerwald-Taunus zum Solling im südlichen Niedersachsen
Mein Wunsch war es schon immer einmal
mit einem Pferd durch das Land zu ziehen. Dieses ist leichter gesagt
wie getan. Habe ich ein Pferd hierfür? Bin ich fit dafür? Habe ich
die Zeit um so etwas zu tun? Lässt es meiner Arbeitsstelle zu? Dabei
blieb es dann für viele Jahre.
Akut wurde dieser Wunsch wieder durch den
Besuch eines Wanderreiters es hier auf Big Sky. Dies war Leo Oevers
aus dem Bergischen Land. Er machte bei uns halt und erzählte mir in
vielen Gesprächen seine Erlebnisse von seinen Touren. Dieses Mal
ritt er zum Bodensee. Ich muss wohl sehr viel darüber erzählt haben,
denn meiner Frau Bernadette ist mein Fernweh aufgefallen. So weit so
gut.
Weihnachten 2009 bekomme ich ganz unerwartet
ein tolles Geschenk von meiner Frau. Ein langer Brief mit der
Aufforderung mich auf ein Pferd zu setzen und einfach mal weg zu
reiten. Träume sind dafür da, diesen anzustreben und versuchen ihn
umzusetzen. Der Hinweis auf unsere kranken Väter gab mir schon zu
denken. Ich freute mich sehr darüber, war mir aber nicht klar, ob
ich es machen würde oder nicht.
Die Vorbereitungen für diese Tour
liefen sehr sehr schleppend beziehungsweise erst einmal gar nicht
an. Die erste Frage die ich mir stellte, war wohin. Die
zweite Frage die ich mir stellte war, mit wem. Die dritte
Frage die ich mir stellte, mit welchem Pferd.
Wohin? Im Osten lag Wetzlar und Gießen, keine
Lust. Im Süden lag Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet, keine Lust.
Im Westen kommt der Westerwald den ich kenne und anschließend die
Eifel, da reitet jeder hin, keine Lust. Der Norden war da schon
interessanter. Ein Blick auf Google Earth zeigte mir ein paar
wunderschöne Wälder und Ecken. Nur müsste ich nach Nord Osten
reiten. Ich sah den Burgwald, den Kellerwald und den Reinhardswald
und das Weser-Bergland. Das reichte mir. Ich erinerte mich an die
Worte von Jens Roeser, dass es im Weserbergland so schön sei. Mir
fielen auch Fernsehberichte vom Kellerwald und vom Reinhardswald
ein. Damit war die erste Frage geklärt.
Die zweite Frage war schwierig. Mit meiner Frau
ginge es nicht, da wir drei kleine Kinder haben, also konnte sie
nicht weg. In meinem engeren Freundeskreis reitet niemand. Jens hat
kein Pferd dafür. Irgendwie fiel mir niemand ein, der so etwas
machen wollte, oder konnte. Also reite ich allein.
Die dritte Frage hat auch etwas gedauert. Am
liebsten hätte ich diese Tour mit meinem Kentucky gemacht, was aber
nicht ginge, da er nun mal krank ist. Vom Schritt her, hätte ich
auch die Schorschel (Georgia) nehmen können, doch sie ist eine Stute
und ich traue ihr noch nicht ganz so viel zu wie meinen Wallachen.
Da ich meinem Dakota sehr vertraue, da er sehr trittsicher ist,
Gelände erfahren ist, da er einen wunderschönen Galopp hat und einen
langsamen Jog, fiel die Wahl letztendlich auf ihn.
Zwei Wochen vor Abtritt fing ich dann mit
intensiven Recherchen an. Ich wollte mir keine feste Route
aussuchen. Aber grobe Ziele beziehungsweise Wanderreitstationen
wollte ich schon. Mir war es wichtig das mein Pferd gut
untergebracht ist. Ich selbst war nicht so wichtig, ich könnte
überall schlafen und essen. So habe ich mir mit Hilfe von Basecamp
(Programm der Firma Garmin Navigationsgeräte) und Internetrecherchen
ein paar Stationen zusammengestellt.

Zwischen 15 und 20 km Luftlinie am Tag
wollte ich reiten. Ein kurzer Anruf auf diesen Stationen, ob dies
kurzfristig ginge, machte mir den Weg frei um nach Nordosten zu
reiten. Da mein alter Regenponcho schon nach 25 Jahren defekt war,
musste ich mir einen neuen kaufen. Ebenso zwei Regenbeinlinge zum
überziehen und zwei neue Satteltaschen der Firma Ortlieb. Dieser
Neukauf hat sich später als sehr sehr gut herausgestellt. Nun war
alles so weit fertig, es konnte losgehen.
Abritt:
Mittwoch 01.September 2010 – 1.Tag
Mittwoch, 8:30 Uhr, für unsere Kinder ein bis
dahin ganz normaler Tag. Bernadette will unsere Kids in den KiGa
bzw. Schule fahren. Ich will mich von den Dreien verabschieden. Beli
kapiert das noch nicht, die Jungs schon. Ich drücke und Küsse die
Kinder ganz doll und hätte beinahe geweint.
10:00 Uhr fertig gepackt, Gregor und
Bernadette sind da um mich zu verabschieden.

Ich hätte wieder weinen können. Dakota und ich
starten bei perfektem Wetter. 15°C, bewölkt, trocken.
Unser erstes Ziel ist der Müllberghof in
Oberlemp. Nach Niedershausen kommt der Weg zum Doberg, den ich wie
immer nicht finde. Danach geht es zum Grübchen. Dort fängt es schon
an, daß sich den Weg hoch in den Wald nicht finde! Direkt links
neben dem Haus geht ein Weg hoch in den Wald, den ich ausprobiere
und feststellen muss das er dann aufhört. Doch letztendlich finde
ich eine Grillhütte und einen Weg der mich weiter auf meinen Weg
führt. Ab dort kenne ich keinen Weg mehr. In Ehringshausen-Dillheim
überquere ich den Fluss Dill und die Bundesstraße und reite in
Richtung A 45. Direkt an der Autobahn Ausfahrt überquere ich die
Straße und suche einen Weg entlang dieser stark befahrenen Straße.
Beim Suchen eines Weges auf meinem Navi und der Karte, erschreckt
sich Dakota vor einem Fahrradfahrer und springt zur Seite. Ich hänge
halb im Sattel und springe ab. Mit viel Glück lande ich neben meinem
Pferd und überlege was hätte alles passieren können. Ich finde eine
Brücke über den Bach und folge diesem Feldweg unter der A45 durch.
Der Rest vom Weg bis nach Oberlemp ist in Ordnung. Ab und zu folge
ich meinem Navigationsgerät, welches alle Feldwege kennt und werde
dadurch sehr überrascht. Kurz vor Oberland folge ich einem Feldweg
der unter Hochspannungsleitungen durchführt, den es wohl mal gab,
aber seit Jahren nicht mehr betreten worden ist. Ich erreiche mein
erstes Ziel den Müllberghof. Auf diesen Isländer Hof arbeitete
früher unser Gregor. Hier begrüßt mich ein Pole, der kein Wort
deutsch reden kann. Er zeigt mir eine Box und füttert mein Pferd mit
Gras. Ich sitze dumm herum und habe Zeit mir die ganze Reitanlage
anzuschauen. Ich dachte immer Big Sky sei sehr sauber sehr
organisiert und hätte viele Hinweisschilder, doch weit gefehlt! Hier
gibt es nicht die kleinste Kleinigkeit die nicht beschriftet ist. Da
mich hier niemand begrüßen konnte und mir auch niemand etwas
angeboten hat, habe ich nichts besseres zu tun als zu schlafen. Nach
einigen Stunden kommt der Chef und fährt mich ein paar Kilometer
weiter in ein Gasthaus Decker nach Mittenaar. Hier habe ich etwas
gegessen, geduscht, Fernsehen geschaut, die ersten Notizen des Tages
gemacht. Heute bin ich vom Kreis Limburg Weilburg, durch den Kreis
Lahn –Dill, in den Naturpark Lahn-Dill Bergland geritten. Das ist
zwar erst der erste Tag, aber ich vermisse meine Familie und die
Ranch! Ich stelle mir die Frage: hätte ich nicht doch jemanden
mitnehmen sollen? Ich gehe früh zu Bett den Morgen früh um 7:50 Uhr
holt mich eine Reitschülerin vor der Tür ab.
Donnerstag 02.09.2010 2. Tag:
7:45 Uhr der Wecker klingelt! Frühstücken
packen raus vor die Tür. Kurz vor neun erscheint eine Frau die mich
mitnimmt auf den Müllberghof. 9:30 Uhr fertig gesattelt und gepackt
warte ich darauf das ich bezahlen kann. Ich bezahle, frage noch nach
einem schönen Weg, den mir aber leider keine nennen kann und so geht
es dann ab in Richtung Gladenbach-Römershausen. Prinzipiell reite
ich die ganze Tour Richtung Nordost. Die grobe Orientierung und
Richtung sehe ich auf meiner Karte mit dem Maßstab 1:50.000, das
Feintuning der Wege die ich reite, entscheide ich nach Gefühl, aus
dem Bauch heraus mit Hilfe meines Navis.
(der
Aartalsee bei Bischhoffen)
Wenn ich einen schönen Weg sehe, der in meine
Richtung führt, so reite ich diesen. Dadurch finde ich manchmal die
geilsten Galoppstrecken, die einsamsten Waldwege, auf denen seit
Jahren kein Mensch mehr war! Unschöne Strecken durch Wälder, die
geschottert waren, gab es natürlich genügend. Eine dieser Wege bei
Weidenhausen endete an der Bundesstraße 255. So musste ich einen
halben Kilometer entlang dieser stark befahrenen Bundesstraße
reiten. Nach viereinhalb Stunden erreiche ich Römershausen und den
Hollerhof. Da ich jeden Abend vorher meine nächste Station anrufe,
wusste ich das heute Nachmittag niemand zuhause war. Marion Klein,
so heißt hier die Hausherrin, erklärte mir alles am Telefon, wie und
wo alles ist. Hier erlebe ich Gastfreundlichkeit: Marion oder
Alexandra haben für meinen Dakota einen Weg aus Äpfel in seine Box
gelegt! Das ist mal eine Begrüßung.
(na
das ist doch mal ein Hinweis)
Die Box war frisch eingestreut, Heu und Wasser
waren auch drin – super. Ich schaue mich etwas um und habe wie fast
jeden Tag das gleiche Problem: Langeweile! Mein MP3-Player ist
leider leer, ich weiß nicht wo ich schlafen kann bzw. soll und muss
von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr warten. Doch dann kommen zwei Frauen,
die ihr Pferd dort stehen haben. Diese beiden kennen unseren
Hufschmied Volker Schmidt und seine Familie und eine von beiden war
vor Jahren schon mal auf der Big Sky Ranch. 17:20 Uhr Marion Klein
kommt, die sehr nett ist und begrüßt mich. Endlich bekomme ich einen
Kaffee und Dakota eine kleine Wiese mitten im Ort, auf der er auch
nachts bleibt. Ich beziehe bei einer Nachbarin in einem Nebengebäude
so etwas wie eine Not-Wohnung im ersten Stock über der Garage. Ich
lese etwas von einer neuen Saunalandschaft hier in der Nähe und
lasse mich nach Gladenbach fahren. Ich genieße mit 10 weiteren
Gästen das Nautilus, esse dort eine Pizza und lasse mich um 22:30
Uhr von einem Taxi nachhause fahren. Ende eines schönen zweiten
Tages.
Freitag 03.09.2010 3. Tag
7:45 Uhr das Handy weckt mich. Ich lerne
Alexandra Both vom Rollerhof kennen und wir drei frühstücken
zusammen. Die zwei Mädels sind sehr nett, müssen aber beide weg. Ich
putze, sattle und packe meinen kleinen Bruder Dakota. Das bepacken
und verschnallen bekommt so langsam System. Bewaffnet mit einer
25oooer Wanderkarte und diversen Tipps, starte ich in Richtung
Friedensberg im Dauthpfetal.
Ich reite nach der Wanderkarte und nicht mehr
nach Gefühl und Navi. So eine Scheiße, ich bin mich nur am vereiten,
weiß nicht mehr auf den Punkt genau wo ich bin! Mache diesen Fehler
mit der Karte fünfmal!! Der kleine Ort Belnhausen ist wunderschön,
doch ab hier gibt es nur noch Wald und Schotter. Meine kleinste Tour
am dritten Tag, sollte zum erholen sein. Diese 8,6 km Luftlinie
sollen zu einem Albtraum von vier Stunden werden. (Statt zweieinhalb
Stunden) Weg mit dieser Karte und her mit dem Navi. Ich reite wieder
nach Gefühl und alles geht gut. Ich erreiche Friedensdorf und die
Norweger Zucht, Reittherapie und Reitschule: „Pferde stärken
Menschen“ der Familie Heck. Die eine Chefin ist mit mir überfordert,
da sie einen Reitkurs hat. (Sie reitet mit sechs Kindern ins
Gelände!?) Ein Mädchen, eine Einstellerin hilft mir und so kann ich
Dakota auf eine „Wiese“ stellen.
(ein
Stück Land für coole Pferde)
Nach zwei Stunden kommt die zweite Chefin und
ich gehe bepackt mit ihr und ihrem Kinderwagen durch das Dorf in
mein Zimmer der Familie Bernhard. Hier schlafe ich im Zimmer eines
ihrer Jungs, der zur Zeit nicht zuhause ist. Die Familie ist sehr
nett, es wird gebetet, gegessen und noch lange zusammen geredet.
Gute Nacht dritter Tag.
Samstag 04.09.2010 4.Tag
7:45 Uhr das Handy klingelt schon wieder.
Frühstück mit der kompletten Familie inklusive beten: aus dem Lukas
Evangelium „sehet die Lilien“ und lieber Gott beschütze unserem Gast
Bernd der mit seinem Pferd Dakota unterwegs ist. Durch den Tipp der
einen Tochter, reite ich der Lahn entlang und dann das Tal hoch
Richtung am Amönau, ein toller Ort. Von dort nach Simtshausen zu
„Pferde Trekking Burgwald“ der Familie Muth. Hier ist mal ein Mensch
auf der Reitanlage. Ich gehe wie fast jeden Tag mit Dakota grasen
und dann bekommt er seine Box. Ich fahre mit der Chefin circa 2 km
durch den Ort, in die Unterkunft der Mutter, die mir ihr Leben und
alle Krankheiten erzählt.
(es
gibt Dinge, die muss man fotografieren)
Ich bin wieder der einzige im gesamten
Ferienhaus und muss mir ein Pizzataxi kommen lassen. Ich telefoniere
mit meiner Frau Bernadette über das neueste von Big Sky und den
Kids. Duschen, schreiben, warten, Fernsehen schauen und dann ins
Bett gehen.
Sonntag 05.09.2010 5. Tag
7:45 Uhr, ich werde von selbst wach! Das
Frühstücks Buffet steht schon auf dem Tisch. Frühstücken und der Opa
Muth Pferd mich nach oben zum Stall. Putzen, satteln, 9:15 Uhr on the road again! Von Mittelsimtshausen, über den Christenberg durch
den Burgwald nach Bottendorf. Hoch zum Christenberg schaffe ich in
circa 50 Minuten.
(wunderschöne
Wege hoch zum Christenberg)
(der
Blick vom Christenberg im Burgwald)
Dann spaziere ich mit einem Opa Richtung Rhoda.
Nur Schotter! Ich laufe mehr wie ich reite. Ab Rhoda reite ich
wieder und mache meine zehnminütige Pause. Wie immer, Kopfstück ab,
Strick dran, Dakota frisst Gras und ich eine Tafelschokolade. (Vom
Norma Markt in Löhnberg) Dann mitten im Burgwald (angeblich
Deutschlands größter zusammenhängender Wald) sehe ich eine Hütte mit
einem Planwagen und Leuten. Ich winke und denke an einer Cola oder
so. Ein Mann mit Hut winkt mir zu und kommt auf mich zu. Ich bleibe
stehen, reite zu diesem Mann, der zu mir sagt: "Sind Sie aus
Löhnberg und wollen zu uns ins Heuhotel?" Ich falle fast vorm Pferd!
Es ist der Herr Nolte von Bottendorf, meiner nächsten Reitstation.
Das ganze mitten im Burgwald- unglaublich! Ich bekomme mitten im
Wald einen wunderbaren Kaffee, man erklärte mir den Weg und um 13:30
Uhr bin ich Bottendorf. Bis jetzt war alles super.

Doch dann: Dakota wurde sofort nach Ankunft im
Hof nervös! Als er dann in die Box kam war er innerhalb einer Minute
klatschnass! Ein altes Bauernhaus mit Innenhof und Stallungen,
Scheune ausgebaut zum Heuhotel (auch mit normalen Stockbetten)
Die zwei Boxen circa 2 x 2,50 m, dunkel, die
Mittelabtrennung vielleicht einen Meter hoch aus Holzstangen und
dahinter Ziegen, die man nicht sehen konnte. Als ich Dakota
Vorderhufe über der Mitte der Tür sah, war mir klar, der bleibt hier
nicht drin! Also, raus mit ihm, aber wohin?

Ich verbringe fast vier Stunden mit ihm an der
Hand, im Hof, im Ort, an Wiesen, mein Tag ist dahin! Ich telefoniere
mit Bernadette, die auch einen Scheißtag hat. Sie erzählt mir von
unserer neuen Einstellen Tanja, die heute vom Pferd gefallen ist,
was nicht hätte sein müssen! Sie macht sich Vorwürfe deswegen. Ich
warte und warte, genau meine Stärke! Das, was ich am wenigsten kann,
muss ich auf dieser Tour am meisten tun: unbefristet warten! Nach
circa vier Stunden kommt Herr Nolte mit seinem Planwagen zurück.
Mein Pferd ist immer noch nervös. Irgend etwas scheint ihn hier
überhaupt nicht zugefallen. Ich mache mir Vorwürfe. Diese Tour darf
nicht auf Kosten meines einzigen Wegbegleiters und Freundes Dakota
gehen. Raus gerissen aus seiner Herde, neue Gegend, neue Wege, jeden
Tag eine andere Unterkunft, jeden Tag anderes Heu, jeden Tag anderer
Nachbarn – was tue ich meinem Pferd an!?
An diesem Tag mache ich mir sehr viele Gedanken
über meine Tour. Ich telefonierte mit meiner Frau. Meine
Entscheidung steht fest, hier bleibe ich nicht, ich reise ab. Der
Mann vom Heuhotel besorgt mir einen Fahrer mit Pferdehänger, der
mich zur nächsten Station nach Oberorke fährt. Meinen Fahrer darf
ich nicht bezahlen, da Pferdeleute sich immer untereinander helfen!
Dass ich so etwas noch erleben darf. Vielen Dank!
Wie abgesprochen, finde ich eine Box, die
frisch eingestreut ist mit Stroh und den Namen Immel trägt. Dakota
steht nun wieder alleine in einer Box, in einem Stall in den 60 oder
70 Pferde passen. In diesem Stall stehen lediglich zwei Esel und
zwei Shettys gemeinsam in einer Box. Dakota ist ruhig und frisst.
Jetzt bin ich in einem Sport und Wellness Hotel, welches mir Sonja
Sames empfohlen hat. Hier will ich für zwei Tage Pause machen.
Zimmer beziehen durchatmen, miteinander telefonieren, essen gehen
Dakota nochmals kontrollieren, Fernsehen und dann endlich ins
verdiente Bett. Ich liege im Bett und wundere mich, dass mein
Hintern immer noch nicht wehtut. Dakota schwächelt auf
Schotter und berg runter etwas- sonst ist alles OK!
Montag 06.09.2010 6. Tag:
Traumhaftes Wetter, alles blau, Frühstück
super, Dakota geht es gut. Durch meinen Freund Gerd Köberich ist die
Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA) auf mich aufmerksam
geworden. Dies führt dazu, dass ich heute Morgen ein Interview geben
muss. Dieser Bericht soll in den nächsten Tagen hier in der Presse
erscheinen.

Jetzt ist Wellness angesagt. Mein Pferd darf
auf eine Wiese und ich lasse es mir jetzt auch mal gut gehen. Sauna,
Massagen, Musik hören, abschalten (wenn es dann mal ginge) ich
bekomme Anrufe von Jens, Sonja, Tanja, Herrn Seela... ob ein Handy
immer so gut ist? Ohne ginge meine Tour auch, aber es erleichtert
die Sache immens!
Dienstag 07.09.2010 7. Tag:
Nach dem frühstücken bringe ich Dakota auf
seine Wiese...

... und gehe dann in den Saunabereich. Hier
muss ich diverse Massagen über mich ergehen lassen – ganz schön
anstrengend, so nichts tun! In diesen Tagen höre ich soviel wie
möglich meiner guten alten Musik, die ich auf meinem MP3-Player
zusammengestellt habe. Dieser Player ist der einzige Luxus den ich
mitgenommen habe. Da ich so alleine bin, macht man sich so seine
Gedanken. Mein permanent schlechtes Gewissen nicht zuhause zu sein,
meine Frau alleine mit drei kleinen Kindern, einer Ranch mit viel
Arbeit und und und
Doch heute ist ein guter Tag, denn meine
Familie kommt mich heute besuchen. Bernadette kommt mit Bastian, Ben
und Belice gegen Nachmittag zu mir. Wir essen gemeinsam und besuchen
das Schwimmbad zur Freude meiner Kinder. Die letzten sechs Tage
waren eher sehr ruhig, was sich aber schlagartig änderte, als meine
drei Kinder erschienen. Ungewohnt aber schön! Von Bernadette erfuhr
ich dann das neueste: alle paar Jahre gibt es mal die „Equine
Infektiöse Annemie“ in Deutschland. Genau auf meiner Strecke liegt
das Quarantäne Gebiet rund um die Orte Ahnatal und Weimar. Genau
dort müsste ich durch. Dies darf ich aber nicht. Diese Krankheit
scheint sich auszubreiten und wenn man sie mal hat, muss das Pferd
getötet werden! So eine Scheiße, genau jetzt wenn ich mal einen
großen Ritt machen will, liegt genau auf meiner Strecke diese
Krankheit. Ich vergleiche dies mit einem Fünfer im Lotto. Was soll
ich tun? Ich will auf keinem Falle mit meinem Pferd Dakota ein
Risiko eingehen. Ich überlege die Tour zu beenden. Da es morgen den
ganzen Tag regnen soll, beschließe ich einen Tag zu verlängern und
im Hotel zu bleiben. Für Dakota ist es auch eine Art Wellness.
Meiner Familie verlässt mich und ich stehe nun da und weiß nicht wie
es morgen weitergehen wird.
Mittwoch 08.09.2010 8. Tag:
Nach dem Frühstück ruft mich Bernadette an und
gibt Entwarnung. Sie hat mit dem zuständigen Veterinäramt gesprochen
und diese haben mir grünes Licht gegeben. Ich kann weiter reiten.
Innerlich hatte ich die Tour schon abgebrochen, doch ich bin froh,
dass es weitergehen kann. Gut dass ich verlängert habe, denn heute
regnet es den ganzen Tag aus Eimern. Ich genieße das Hotel,
telefoniere mit den nächsten Stationen, ob diese mich auch nehmen
und und verbringe wie immer etwas Zeit mit der Recherche nach dem
Weg am nächsten Tag.
Donnerstag 09.09.2007 9. Tag:
9:20 Uhr ich sitze wieder auf einem Pferd-Gott
sei Dank. So schön wie es auch war, ich bin froh, wieder unterwegs
zu sein. Ich freue mich auf den Kellerwald (ein bisschen Respekt
habe ich auch, denn wenn irgend etwas geschieht und das mitten im
Kellerwald?!) In Schmidtlotheim reite ich über die Eder in den
Nationalpark Kellerwald. Traumhafte weiche und nasse Wege, kein
Regen, aber nebelig. Es sieht mystisch aus. Alle Gatter heute waren
auf. Da der Naturpark Kellerwald forst technisch nicht genutzt beziehungsweise
bewirtschaftet wird, musste ich ein paar Mal absteigen wegen Bäumen
oder sonstigen Hindernissen.

Nach dreieinhalb Stunden Ritt ohne mich zu
verreiten, sah ich das erste Mal einen Menschen. Ich hatte schon
Bedenken, da ein Weg gesperrt war (warum auch immer) und ich diesen
trotzdem geritten bin. Habe leider kein einziges Tier außer ein paar
Schafen gesehen.

Der Weg (Fahrradweg) am Edersee entlang war
sehr langweilig. Das war auch egal, da es aus Eimern regnete. Die
letzten circa 8 km bin ich im strömenden Regen geritten, aber selbst
trocken geblieben. Der neue Poncho und die Beinlinge, inklusive
Satteltaschen haben sich rentiert zu kaufen. Die 15 km Luftlinie
habe ich in 5 ¼ Stunden geritten. Davon bin ich circa 5 bis 8 km
selbst gelaufen. Aus der Ferne habe ich schon die „Reitanlage
Kellerwald“ erspäht. HOLY MOLY!!! Zwei Wiesen, ein Reitplatz, ein
Offenstall mit Schrank- das war’s. Denise, ein junges Mädel gibt
Unterricht. Es regnet, ich beziehe den Offenstall, binde Dakota an
um Ihnen abzusatteln. Der Blödmann ist wieder nervös! Letztendlich
ist alles soweit gut. Dakota und seine sechs Isländer stehen
nebeneinander und er beruhigt sich. Circa 50 m über der Reitanlage
ist der Wildpark Edersee, den ich besuche und einer Falkner
Vorführung erleben darf. Anschließend gehe ich ins benachbarte
Ausflugslokal und genieße einen schönen schwarzen guten Kaffee und
ein Stück Kuchen. Ich laufe bepackt mit allem was sonst Dakota
trägt, ohne Sattel natürlich, circa 1,5 km in den Ort Hemfurth am
Edersee. Dort suche ich mir eine Pension und ein Gasthaus zum Essen.
Hier frage ich wie immer nach dem Weg für morgen, studiere die
Karten und schreibe von heute alles auf. Heute war ein schöner Tag
trotz Regen. Der Kellerwald ist wunderschön.
Freitag 10.09.2010 9. Tag:
08.50 h, ich stehe gefrühstückt vor der
Pension und warte auf die Denise, die mich mit ihrer fahrenden
Sattelkammer abholt. Getrunken und gefressen hat Dakota wohl nicht
viel! 9:15 Uhr on the road again.

Leider kann ich nicht wie geplant über die
Sperrmauer des Edersees reiten, da auf der anderen Seite Bäume auf
dem Wanderweg liegen. So etwas erfährt man einen Tag vorher wenn man
dann viel fragt. Ich reite den Ederseesteig von Hemfurth über Buhlen
und Böhne Richtung Elbenberg.

Mein Gefühl und mein Navi helfen mir heute
sehr. Zwischen dem Ort Böhne und Elbenberg scheint es keine Wege zu
geben und dass in diesem Riesen Wald. (genannt der alte Wald, wie es
sich später herausstellt). Heute geht es sehr viel berghoch und
bergab. Durch Rückwege und mitten durch den Hochwald, entlang einem
Grenzweg. Mit viel Bauchgefühl finde ich einen Weg aus diesem Wald.
Nachmittags erreiche ich das Schloss Elberberg und werde mal sehr
herzlich begrüßt. Hier erklärt man mir, dass ich heute in diesem
alten Wald, die Grenze zwischen Waldweg Frankenberg und Kurhessen
überschritten beziehungsweise über ritten habe. Diese Grenze ist
geschichtlich sehr bedeutsam, daher die wenigen oder fehlenden Wege.
Frau Alix von Buttlar ist hier die Chefin vom Hofgut des
gleichnamigen Schlosses Elberberg. Mein Pferd Dakota fühlt sich
wohl, bekommt einer Box und einen Partner. Ich beziehe ein
Fremdenzimmer im Haus. Anschließendes Kaffeetrinken, Abendessen in
geselliger Runde von vier Leuten tut mal richtig gut. Hier erlebe
ich zum ersten Mal richtig gute Gastfreundschaft.
Samstag 11.09.2010 10. Tag:
Frühstück gut, Dakota geht es gut und ein
neuer Reitertag beginnt. Von Elbenberg im Landkreis Kassel geht es
heute über Balhorn und Martinshagen unter der A 44 durch nach Ehlen
im Habichtswald. Durch den Wald auf steinigen oder matschigen Wegen
geht es dann auf schönen Wiesenwegen mit viel Trab und Galopp
schnell vorwärts. Nach drei dreiviertel Stunden bin ich schon in
Ehlen und wie soll es auch anders sein: wieder kein Mensch da! Ich
sattle ab, hänge meine Sachen auf den Zaun, rufe die Frau Gunkel vom
Isländergestüt Habichtswald an, ebenso meine Frau, Gerd und Celine.
Doch dann, mein Pferd darf auf die große Ovalbahn mit viel Gras. Ich
schleppe einen Bottich und viel Wasser, ebenso Kraftfutter auf den
Reitplatz. Dakota sieht andere Pferde, kann fressen, saufen und ist
glücklich. Ich hingegen muss wieder warten, da mein Herbergsvater
erst circa 17:00 Uhr hier sein kann und meine Herbergsmutter keinen
Führerschein hat. Mein Freund Gerd Koeberich kommt und fährt mit mir
nach Altenritte (Baunatal). Wir, das heißt Gerd, Celine und Stephen
gehen zusammen ein Eis essen, reden, lassen uns eine Pizza kommen,
schauen nach meinen noch zu reitenden Wegen und gehen schließlich um
23:00 Uhr ins Bett. Wie auf der gesamten Tour schlafe ich auch hier
nicht wirklich gut! Warum auch immer, ich werde ab 4:00 Uhr morgens
immer wieder wach.
Sonntag 12.09.2010 11. Tag:
Aufstehen um 8:00 Uhr, gemeinsames frühstücken
und danach fahren wir alle vier nach Ehlen. Dakota steht noch auf
dem Reitplatz, obwohl diese keinen Strom hat. Putzen mit Stephen,
Küsschen hier, Küsschen da und ab die Post! Da ich ja jeden Tag
vorher meine nächste Reitstation anrufe, wusste ich, dass die
Reitstation in Grebenstein-Udenhausen nicht besetzt ist. Wohin nun?
Hier bleiben wollte ich auf keinen Fall. Nun bin ich direkt im
Gebiet der Pferdeseuche. Nach ein paar Anrufen hatte ich einen Stall
in Fürstenwald bei Kassel-Calden gefunden. Dieser Reitstall Pawel
ist ein Springstall aber ohne Übernachtungsmöglichkeit für mich. Zur
Not schlafe ich auch irgendwie mit irgend etwas im Heu. Wie umreite
ich dieses Gebiet mit dieser Krankheit? Dieser Ritt heute wird nicht
sehr lange sein. Ich muss den Ort Weimar umreiten und komme dadurch
circa 3,5 km am Herkules Denkmal vorbei. Circa 2 km bei dem Ort
Zierenberg komme ich am Dörnberg vorbei. Dieser Berg wird von vielen
Touristen besucht. Auf meinem Weg durch den Wald stoße ich auf ein
Schild auf dem steht: „Immelberg“. Der Berg ist eine kleine Erhebung
neben dem Dörnberg. Wie witzig!

Nach zweieinhalb Stunden komme ich am Reitstall
in Fürstenwald an. 100 Pferde stehen hier. Hier ist endlich mal was
los. Menschen sind bei meiner Ankunft auf dem Hof- wir freuen uns
beide. Leider gibt es hier kein Bett und die Pension im Ort erreiche
ich nicht. Doch dann etwas später ruft die Pension mich zurück und
ich mache mich auf den Weg. Bepackt wie ein Pferd ziehe ich los- in
meine Box. Die Pension ist sehr gut, duschen, schreiben, zu müde zum
Essen, ich gehe sehr früh ins Bett. Vorher klärte ich noch die
Situation für morgen. Ich rufe die Wander-Reitstation in Udenhausen
an. Die Frau am Telefon sagte “Bernd bist du das? Von der Big Sky
Ranch in Löhnberg?" Häh? Diese Stationen gehört Heike und Ottmar
Dippel. Heike hat vor Jahren bei mir mal Urlaub gemacht und ihr Mann
hat sie abgeholt und dabei unsere Pferde gewogen. Die beiden sind
viel unterwegs um mit ihrer Pferdewaage auf Reitanlagen Pferde zu
wiegen. Wie klein ist die Welt!
Montag 13.09.2010 12. Tag:
Aufstehen, frühstücken, packen und auf zum
Pferd. Danke an die Familie Pavel, denn auch hier durfte ich nichts
bezahlen.

Von Fürstenwald durch den Wald an
Kasseler Calden vorbei Richtung Tierpark? Auf einmal reite ich eine
alte Allee herunter (andersherum wäre es eine tolle Galoppstrecke
gewesen) und stehe vor einem Schloss. Schloss Wilhelmstal! Schön-
leer- unbewohnt- Schade. Südlich an Calden vorbei, nach Burguffeln
Richtung Grebenstein-Udenhausen. Das alles auf Feld und Wiesen
wegen. Viel Trab und Galopp. Dann komme ich in Udenhausen an. Ich
klingele und Heike macht mir auf, begrüßt mich und ich kann Dakota
versorgen. Danach gibt es ein paar Kaffee und wir reden, das heißt
Heike ihr Mann Ottmar und ich. Ein schöner Nachmittag. Heike und ich
fahre noch einkaufen, schauen uns ihre Pferde an, bestellen Pizza
und sitzen noch bis fast 12:00 Uhr nachts zusammen. Ein schöner
Ritt, ein schöner Tag.
Dienstag 14.09.2010 13. Tag:
Auf diesen Tag freue ich mich schon während
der ganzen Tour. Der Ritt durch den Reinhardswald! Heike, selbst
Western- und Wanderreiterin erklärt mir ein paar schöne Strecken zur
Sababurg dem Dornröschenschloss. Ich reite heute fünfeinhalb Stunden
am Stück, davon nur eineinhalb Stunden ohne Regen! Trotzdem, die
Waldwege durch den Hutewald, diese riesen Waldflächen, die alten
Baumbestände- irre schön! Zwei Hirsche so groß wie Endmaß Ponys
kreuzen meinen Weg! Ich denke das waren 12- bis 14 Ender. Insgesamt
muss ich viermal ein Gatter auf beziehungsweise zu machen.

(einige Gatter konnte ich vom
Pferd aus öffnen und schließen, dieses nicht!)
Nach circa drei Stunden erreiche ich die
Rückseite des Tierparks hinter der Sababurg. Hier gibt es eine Mauer
um die man sehr abenteuerlich entlang reiten kann. Ich liege circa 1
km lange mehr auf dem Hals meines Pferdes anstatt ich sitze. Die
Äste hängen sehr tief da sie nass sind, es regnet und der Weg
verwandelt sich in ein kleines Rinnsaal. Alle Wege, ausgenommen der
geschotterten Wege, sind abgesoffen oder voller Schlamm.
(die
Sababurg von hinten!)
Egal, der Weg, der Ritt bis hierher war super.
An der Sababurg muss ich das letzte Gatter durchreiten. Dieses
letzte Gatter musste ich von Hand öffnen, also mit absteigen und so.
Ich passe nicht auf, Dakota passt nicht auf und bleibt mit den
abstehenden Satteltaschen in Gatter hängen! Er erstreckt sich, die
Satteltaschen reisen auf einer Seite ab, er springt zur Seite und
bleibt auf der anderen Seite mit dem Steigbügel in einem Metalldraht
hängen. Ich schreie ihn an und er steht wie eine Figur! Ich lege die
Zügel auf die Erde, befreie mit Gewalt den Steigbügel aus dem Draht,
atme durch und bin froh, dass nicht mehr geschehen ist. Nach dem
kleinen Schock reite ich zur Sababurg. Durch das Tor sieht man nur
einen Parkplatz, einen Kiosk, zwei Türme, einer davon eingerüstet-
na ja etwas enttäuscht war ich schon. Kamera raus, Foto machen und
ab nach Gottstreu. Der Rest der Strecke besteht nur aus
Schotterwegen und die gehen auch noch die meiste Zeit heftig bergab
Richtung Weser.

Nach circa zwei Stunden (davon bin ich
eineinhalb Stunden selbst gelaufen) erreiche ich Gottstreu und die
Reitanlage Siemon. Dakota kommt in den recht dunklen Stall in eine
Box und darf mit einer Ziege die ganze Nacht an einem Heuballen
fressen. Dies Siemons selbst sind aber sehr nett, zeigen mir alles.
Mein Zimmer in dem ich übernachte ist aus circa 1950 oder so. Abends
laden mich die Siemons noch zu einer gemütlichen Runde ein. Es wird
viel Unsinn erzählt und getrunken...
Mittwoch 15.09.2010 14. Tag:
Heute geht es von Gottstreu der Weser entlang
nach Uslar-Wiensen. Am äußersten westlichen Rand des Reinhardwaldes
entlang bis nach Gieselwerder. Dort überquere ich die Weser in
Richtung Lippoldsberg.

Heute reite ich fast nur auf selbst gesuchten
weichen Wald- und Wiesenwegen. Zwischen Vernawaldshausen und Wiensen
überschreite ich die Grenze zwischen Hessen und Niedersachsen. Ein
Riesen Loch auf einem seit Jahren nicht mehr befahrenen Wiesenweg
wird von Dakota erkannt! Gut das ich hier nicht galoppiert bin.
Dieses Loch war fast genau auf der Grenze-komisch oder? Nach circa
drei Stunden Reitzeit, Weser Überquerung, zwei Bahnenunterführungen,
erreiche ich Wiensen. Mitten im Ort liegt der ehemalige Bauernhof
jetzt Reitverein Uslar-Wiensen. Der Vorstandsmensch Herr Jürgen
Meyer wollte mir ein X. auf die Box malen. Im Hof angekommen sehe
ich schon dass X auf einer Box.

Wasser läuft, Heu und Stroh sind auch drin-
perfekt. Absatteln und erst einmal mit Dakota zum frischen Gras
gehen. Dann mache ich mal eine Pause in der Sonne. Die alten Leute
vom Hof sind sehr nett und erzählen mir vom Solling. Der
Solling-Volgler ist ein Riesen großes Waldgebiet in südlichsten
Niedersachsen. Ich habe keinen Bock 30 Kilometer lang berghoch und
bergab nur auf Asphalt oder Schotter zu reiten. Wer kann mich
fahren? Kann die nächste Station in Dassel-Amelsen mich holen? Der
nächste Stall muss in die Klinik (mit einem Pferd) und der Herr
Meyer und eine andere Einstellerin haben ihren Pferdehänger in der
Werkstatt. Wolf und Sille in Ölkassen melden sich nicht an beiden
Telefonen. Ich rufe den Häuptling Jens Röser an, der mir sagt, dass
Sille in Pullman City ist und Wolf nicht zuhause ist, da er auswärts
arbeitet und auch nicht da ist! Was nun? Ich rufe Bernadette an,
schilderte ihr meine Situation.
Soll ich dich holen? Meine Antwort: Ja!
Jetzt ist es circa 16:00 Uhr. Bernadette
braucht bestimmt 2 ½ Stunden mit Hänger. Heute ist es wunderschön,
der Ritt bisher war auch wunderschön, die Gegend war wunderschön,
also höre ich unverhofft heute mit meiner Tour auf! Man soll dann
aufhören wenn es am schönsten ist! Das tue ich auch.
Ich werde diese 15 Tage nie vergessen, das war
eine tolle Erfahrung!
Mein Resümee:
Die Route, die Richtung, die ich
ausgesucht habe, war perfekt. So mancher Weg ohne Schotter wäre
schon besser gewesen. Ich habe gelernt mich nie auf die Aussagen von
Reitern zu verlassen welcher Weg schön sei und welcher nicht. Die
meisten Reiter kennen sich in ihrer eigenen Umgebung nicht aus.
Daher werde ich in Zukunft immer selbst entscheiden wo ich lange
reite und wo nicht.
Die Stationen waren mal schlecht,
mal gut, mal super. Es liegt nicht am Geld, oder an der Ausstattung,
sondern an der Art mit Menschen umzugehen. Das Zimmer kann noch so
alt sein, der Hof kann noch so klein sein, man muss freundlich sein,
es sollte sauber sein und man muss sich in einen Fremden, der hier
Gast ist, hinein versetzen können. Gastfreundschaft und
Hilfsbereitschaft sollte man schon besitzen, wenn man Gäste
aufnimmt, oder man sich Wanderreitstation nennt. Das was ich
reittechnisch gesehen habe, war in fast allen Fällen eine
Katastrophe. Der Reitschüler muss Spass haben, der Reitschüler muss
nur wieder kommen oder bleiben, damit das Geld fließt, das Reiten
selbst, das Pferd, bleibt in den meißten Fällen auf der Strecke –
wie Schade!
Meiner Ausrüstung war gut. Dakota
hatte nicht eine Scheuerstelle, ich habe mir keinen Wolf geritten
und bin nie nass geworden. Alles Notfall Equipment habe weder ich
noch Dakota in Anspruch genommen. Die Eisen haben perfekt gehalten.
Vielen Dank an meinen Hufschmied Jörg Ohl.
Das Wetter war bis auf zwei Tage super
perfekt für diese Tour. Es war nie zu warm und auch nie zu kalt. Es
konnte schon passieren, dass man sich öfters mal an- oder ausziehen
musste, je nach dem ob man im Wald ritt oder auf Feldwegen.
Der Zeitpunkt um einen Wanderritt zu
machen, hätte ich besser, wie den September, nicht treffen können.
Alle Äcker bis auf den Mais sind abgeerntet, die Wiesen gemäht, so
dass man immer darüber reiten konnte.
Die Orientierung mit dem Navigerät
Garmin eTrex Legend Cx mit der neuen topografischen Karte von 2010
in Verbindung mit der Karte 1:50.000 ist nicht zu überbieten.
Ausprobieren von völlig fremden Wegen ist mit einem guten Navi kein
Problem und führt manchmal zu den schönsten Wegen und Ecken.
Mein Reisebegleiter Dakota ist der
eigentliche Held der Tour! Ich bin zwar viel gelaufen aber er hatte
immer das Gepäck zu tragen. Nach einer Woche wurde er auf Schotter
immer langsamer. Zwischendurch ein Jog oder ein Galopp war für uns
beide doch sehr aufmunternd. Einmal hat er gescheut- nun ja, ist
aber noch mal gut gegangen. Wir mussten durch Schlamm, über Gräben,
durch Bäche, über Brücken, unter Unterführungen durch, durch Städte
oder Ortschaften, an Straßen auch Bundesstraßen entlang, durch
Wälder, durch Dickicht und was sonst noch! Es war nie ein Problem.
Er hat nie gelahmt. Ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Vielen
Dank- mein Dakota!
Der Wanderreiter Bernd ist mit sich
auch zufrieden. Habe mir keine wunden Stellen zugezogen, hatte keine
Probleme mit Knien, Füßen oder so, obwohl ich viel gelaufen bin. Bin
froh darüber, noch so fit zu sein. Ich habe die letzten 15 Tage
etwas gemacht wovon ich schon seit 15 Jahren träumte. Alleine und
nur mit seinem eigenen Pferd durch die Natur reiten zu dürfen ist
schon ein besonderes Geschenk. Man kann sich seinen eigenen Weg
aussuchen ohne Rechenschaft dafür ablegen zu müssen. Man kann sein
eigenes Reittempo wählen ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Man kann
schwierige Passagen durchreiten ohne diskutieren zu müssen. Dürfte
ich dies noch mal machen, so würde ich mir einen zweiten Menschen an
meiner Seite wünschen. Jemanden, dem man sich mitteilen kann, dem
ich vertraue, der reiten kann und eine ähnliche Einstellung hat wie
ich: zum Beispiel meine Frau Bernadette.
Diese hessische Wälder-Tour konnte ich nur
reiten, da ich für so was ein gutes Pferd hatte, einen sehr guten
Mitarbeiter der mir auf der Ranch den Rücken freihält und vor allem
eine Frau die mir das Ganze ermöglicht hat. Für die 15 Tage Kinder
hüten rund um die Uhr, für den Verzicht auf die Arbeit in eigener
Praxis und den Verzicht auf eigenen Urlaub sage ich zu meiner Frau
Bernadette:
Vielen Dank für die unvergesslichen 15
Tage!
Wiensen im Weserbergland am 15.09.2010
Bernd Immel
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